Aliens, UFOs und die Frage nach außerirdischem Leben sind wieder im öffentlichen Gespräch angelangt. Große Medien wie der SPIEGEL greifen das Thema auf, Wissenschaft und Popkultur beschäftigen sich neu mit der alten Frage: Sind wir allein in diesem Universum? Doch in guten Geschichten geht es bei fremden Wesen selten nur um das Weltall. Es geht um Menschen, deren Welt plötzlich größer und völlig auf den Kopf gestellt wird.
An dieser Stelle setzen die Bücher von Lily Konrad an. Ihre Alien- und Fremdwelt-Geschichte – „Die Wächter von Sisong” verbinden das Unbekannte mit Liebe, Hoffnung, Mut und Frauenfiguren, die entdecken, dass ihr Leben mehr zu bieten hat, als sie bisher glaubten.
Frau Konrad, Aliens und fremde Welten faszinieren viele Menschen gerade wieder besonders stark. Was glauben Sie: Warum berührt uns die Vorstellung, dass es da draußen noch mehr gibt?
Lily Konrad: Wahrscheinlich fasziniert es die Menschen deswegen gerade wieder besonders stark, weil es in den Bereich des Möglichen gelangt ist: Medienberichten zufolge könnte der 49 Lichtjahre von der Erde entfernte Gesteinsplanet LHS1140b eine Atmosphäre haben. Damit könnte dort Leben, in der Form wie wir es kennen, möglich sein. Und es ist ja nur eine von sicherlich vielen Möglichkeiten – aber eben eine, die nicht in absolut unerreichbarer Ferne liegt.
Ich denke, es gibt drei Faktoren, die bei dieser Frage zusammenkommen. Zum einen der Forscherdrang, im Prinzip vergleichbar mit dem Bestreben im 15. Jahrhundert, einen Seeweg nach Indien zu finden und damit zu beweisen, dass die Erde eine Kugel ist. Zum anderen das Bedürfnis, über den eigenen Tellerrand hinauszusehen: “Wenn da draußen noch mehr ist, will ich gern mehr darüber wissen.“ Und drittens die Suche nach Unseresgleichen, Neugier verbunden mit dem Bestreben, die eigene Bedeutungslosigkeit als Erdbewohner im riesigen Universum ein wenig zu verringern.
Welche Ihrer Bücher passen besonders gut zu diesem Thema und was erwartet Leserinnen darin?
Lily Konrad: Die SciFi/Fantasy-Reihe “Die Wächter von Sisong” passt exakt zu diesem Thema, was sicher daran liegt, dass einer der Grundgedanken, der die Idee dazu entstehen ließ, eine ganz ähnliche Meldung war wie die zu LHS1140b. Damals ging es um Kepler 452b, einen Exoplaneten. Ausgehend von dieser Entdeckung sind die Bewohner dieses Planeten – in meiner Geschichte heißt er Sisong – entstanden, die den Menschen sehr ähnlich sind, aber andere Fähigkeiten haben als wir und außerdem in der Lage sind, die riesige Distanz zur Erde in kürzester Zeit zu überwinden.
Die Frage, um die es in der Reihe geht, ist also einerseits die, wie es sein kann, dass sich Lebewesen, die von zwei unterschiedlichen Planeten stammen, äußerlich so sehr ähneln können, andererseits die, worin die Unterschiede bestehen.
Im ersten Band “Cats Bestimmung” entdeckt eine junge Kriminalkommissarin, dass sie besondere Fähigkeiten hat. Erst zweifelt sie an ihrem Verstand, doch dann erfährt sie, dass sie kein Mensch ist, sondern eigentlich vom Planeten Sisong stammt – und dort sind diese Fähigkeiten ganz normal. Da Cat für ihr Volk eine ganz besondere, wichtige Funktion hat, nehmen dessen Vertreter nun Kontakt mit ihr auf. Damit ändert sich ihr Umfeld drastisch, es gelten ganz neue Regeln und die junge Frau muss lernen, sich in einer veränderten Welt zurechtzufinden.
Viele Ihrer Leserinnen suchen keine klassische Science-Fiction und auch keine New-Adult-Geschichten. Was bekommen diese Leserinnen in Ihren Alien- und Fremdwelt-Geschichten?
Lily Konrad: Zunächst einmal möchte ich hervorheben, dass die Akteure in meiner Reihe keine “Aliens” in dem Sinne sind, dass sie ein monsterhaftes Aussehen hätten und/oder die Menschheit bekämpfen würden. Es findet kein Angriff aus dem All statt und die Menschen merken gar nicht, dass die Sisoner schon seit zwei Jahrtausenden auf der Erde Fuß gefasst haben.
Außerdem gibt es keine Raumschiffe oder High-Tech-Waffen. Stattdessen bewegen die Sisoner sich mittels Gedankenkraft fort und sie kämpfen mit Dolchen – und auch das nicht gegen die Menschen, sondern gegen ein zweites außerirdisches Volk, die Iszeroniten.
Und es gibt in meinen Büchern nicht das typische Setting von jungen Protagonistinnen an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Vielmehr geht es um zweite Chancen und die Hoffnung, dass das Leben noch mehr zu bieten hat, als es den Anschein hat. Die Frauen in meinen Geschichten stehen mit beiden Beinen im Leben, haben aber den Mut, über ihren Tellerrand zu schauen. Dadurch entdecken sie, dass sich dahinter eine Welt in einer ganz neuen Dimension eröffnet und dass auch in ihnen selbst noch weit mehr steckt, als sie vermutet hatten. In diesem Sinne können die Protagonistinnen also als Vorbilder und die Geschichten als Mutmach-Bücher gesehen werden: Nichts ist dazu verdammt, so zu bleiben wie es ist. Leben ist Veränderung.
In Ihren Büchern sind Aliens, fremde Welten oder nicht-menschliche Wesen nie bloß Kulisse. Welche Rolle spielen sie für Ihre Geschichten?
Lily Konrad: Zum einen ergibt sich durch die nicht-menschlichen Wesen die Gelegenheit, aktuelle Probleme unserer Welt gewissermaßen von außen zu betrachten und zu diskutieren bzw. “den Menschen” einen Spiegel vorzuhalten.
Folgendes Zitat aus Band 6 “Rods Entscheidung” ist hier sehr anschaulich:
»Nun, Menschen schaffen es beispielsweise nicht, auf ihre eigene Energie zuzugreifen. Doch statt sich damit zu beschäftigen und den Umgang mit der Kraft zu erlernen, die ihnen innewohnt, maßen sie sich an, die Energie ihrer Umwelt beherrschen zu wollen. Sie verwenden Atomkraft, verbrennen ihre Bodenschätze und glauben sogar, die Mächte der Sonne, des Windes und der Meere bändigen zu können, ohne dass das Einfluss auf ihre Umgebung hätte. Und damit nicht genug: Sie führen Kriege um die Vorherrschaft in bestimmten Gebieten. Aber dabei bekämpfen sich nicht etwa diejenigen, welche die Führungsposition beanspruchen wollen, sondern sie töten Zivilisten und setzen Hunderte oder gar Tausende von Soldaten ein, die ihr Leben riskieren, obwohl sie am Ende nichts davon haben. Zudem verwenden sie Waffen, die das Terrain, um das gekämpft wird, zerstören. Findest du das klug?«
Zum anderen können fremde Welten als Vorbild oder als abschreckendes Beispiel dienen.
Was passiert mit einer Frau, wenn sie plötzlich merkt: Meine Welt ist nicht die ganze Wirklichkeit?
Lily Konrad: Zunächst mal ist das ein Schock und die Frau, der das passiert, ist verunsichert. Bislang glaubte sie, ihre Welt genau zu kennen und plötzlich gibt es Anzeichen (oder sogar die Gewissheit), dass da noch mehr ist, als sie bislang gesehen hat. Soll sie sich in das neue, unbekannte Gebiet vorwagen oder lieber auf dem Absatz umkehren, zurückkehren zu Altbekanntem und die Augen vor der sich abzeichnenden Veränderung verschließen?
Die Frauen in meinen Büchern entscheiden sich für die erste Variante. Sie sind neugierig auf das “Mehr”, das sich zeigt, und sie haben den Mut, sich der Veränderung zu stellen. Das bedeutet keineswegs, dass sie keine Angst haben: In meinen Augen bedeutet Mut nicht, keine Angst zu haben, sondern Angst zu haben und trotzdem weiterzugehen. Und wenn sie diesen Hürde gemeistert haben, merken sie, dass sich ihnen dadurch ganz neue Möglichkeiten eröffnen und dass sie ein Stück weit näher zu sich selbst gefunden haben.
Mit welchem Buch sollten neue Leserinnen beginnen, wenn sie Lily Konrad über das Alien- oder Fremdwelt-Thema kennenlernen möchten?
Lily Konrad: Am besten mit dem ersten Band der Reihe “Die Wächter von Sisong”, also mit “Cats Bestimmung”.
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