Wenn Arbeit zur Belastungsprobe wird
Mobbing am Arbeitsplatz beginnt selten mit einem großen Knall. Häufig sind es kleine Verschiebungen: Informationen kommen nicht mehr an, Zuständigkeiten werden entzogen, Besprechungen kippen, Kolleginnen und Kollegen gehen auf Distanz, Kritik wird persönlich. Besonders schwer wiegt diese Dynamik, wenn sie von oben kommt – wenn also Vorgesetzte ihre Position nutzen, um Druck aufzubauen, Menschen zu isolieren oder beruflich zu beschädigen. Genau diesem Thema widmet sich „Bossing am Arbeitsplatz“ von Rainer Kreer.
Das Buch ist im Jänner 2026 als Softcover erschienen, umfasst 320 Seiten und kostet laut Verlag 20 Euro. Der Untertitel bringt die Stoßrichtung klar auf den Punkt: „Eine Kampfansage an alle Mobber“.
Persönliche Geschichte trifft praktischen Leitfaden
Rainer Kreer schreibt nicht aus sicherer Distanz. Der Verlag beschreibt ihn als langjährige Führungskraft und heutigen Jobcoach, der eine persönliche Bossing-Erfahrung mit einem praktischen Leitfaden verbindet. Genau daraus entsteht die besondere Spannung dieses Buches: Es geht nicht nur darum, Mobbing zu erklären. Es geht darum, die Mechanismen von innen sichtbar zu machen.
Kreer schildert, wie Ausgrenzung leise beginnt, wie Machtspiele eskalieren können und weshalb Betroffene oft viel zu lange versuchen, die Situation auszuhalten. Das Buch gibt dem, was viele nur diffus spüren, eine Sprache: subtile Abwertungen, Informationsentzug, Isolation, Degradierung, verlorene Termine, verschobene Zuständigkeiten. Solche Muster werden nicht dramatisiert, sondern strukturiert eingeordnet.
Schweigen schützt die Falschen
Eine der stärksten Botschaften des Buches lautet: Bossing lässt sich nicht still bekämpfen. Kreer vertritt den Gedanken, dass das wirksamste Verteidigungsprinzip schon aus Selbstverteidigungskursen bekannt sei: laut werden, damit andere den Angriff wahrnehmen.
Diese Haltung macht das Buch unbequem im besten Sinne. Es fordert Betroffene nicht zu blindem Aktionismus auf, sondern zu Klarheit. Wer Bossing erlebt, braucht Struktur: dokumentieren, Beweise sichern, Gespräche vorbereiten, Verbündete suchen, Grenzen setzen, Eskalationswege kennen. Laut Inhaltsbeschreibung widmet sich das Buch genau diesen Punkten – von frühen Warnsignalen über systematische Dokumentation bis hin zu Gesprächsstrategien und rechtlichen Hinweisen.
Ein Ratgeber für Betroffene – aber nicht nur für sie
„Bossing am Arbeitsplatz“ richtet sich an Menschen, die selbst unter Druck geraten sind. Doch das Buch hat eine größere Zielgruppe. Es ist ebenso relevant für Kolleginnen und Kollegen, Betriebsräte, Personalverantwortliche, Führungskräfte und Organisationen, die verstehen wollen, wie toxische Dynamiken entstehen und warum Wegsehen oft Teil des Problems wird.
Besonders wertvoll ist der Aufbau: Von den Grundlagen zu Mobbing, über konkrete Handlungsoptionen, Führungsverantwortung, Aufarbeitung sowie eine persönliche Fallchronik sind wichtige Bestandteile. Dadurch entsteht ein Werkzeugkasten für die Praxis. Wer betroffen ist, bekommt Orientierung. Wer Verantwortung trägt, bekommt eine klare Erinnerung daran, dass Führung nicht im Wegducken besteht.
Warum dieses Buch wichtig ist
Bossing zerstört nicht nur Karrieren. Es greift Selbstvertrauen, Gesundheit und soziale Sicherheit an. Viele Betroffene zweifeln irgendwann an der eigenen Wahrnehmung. Genau hier kann ein Buch wie dieses wirken: Es sortiert, benennt und stärkt. Es zeigt, dass Ohnmacht nicht das Ende der Geschichte sein muss.
Kreers Ansatz überzeugt, weil er Haltung und Praxis verbindet. Das Buch macht Mut, ohne die Lage schönzureden. Es spricht Klartext, ohne Betroffene in riskante Alleingänge zu drängen. Und es erinnert daran, dass Menschenwürde am Arbeitsplatz kein Zusatzthema ist, sondern die Grundlage guter Arbeit.
Fazit: Klar, notwendig und handlungsorientiert
„Bossing am Arbeitsplatz“ ist ein starkes Buch für alle, die Machtmissbrauch im beruflichen Umfeld nicht länger als Einzelfall oder Befindlichkeit abtun wollen. Rainer Kreer verbindet persönliche Erfahrung mit konkreten Strategien und einem klaren Appell: Nicht schweigen, sondern verstehen, sichern, handeln.
Wer sich gegen Mobbing von oben wappnen möchte, wer Betroffene unterstützen will oder wer in Organisationen Verantwortung trägt, findet hier ein Buch mit deutlicher Sprache und praktischem Nutzen. Es ist kein sanfter Ratgeber. Es ist ein Weckruf – und genau das macht ihn so wertvoll.
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