Viele Autorinnen und Autoren beginnen mit einer Geschichte, ohne sich bewusst für ein Genre zu entscheiden. Die Idee ist da, Figuren entstehen, erste Szenen nehmen Form an – doch irgendwann stellt sich eine grundlegende Frage: Was für ein Buch schreibe ich hier eigentlich? Genau an diesem Punkt wird deutlich, wie wichtig die Genrefrage ist. Denn das Genre entscheidet nicht nur darüber, wie ein Buch vermarktet wird, sondern auch darüber, wie gut sich Autor und Thema langfristig miteinander verbinden lassen.
Das passende Genre zu finden bedeutet nicht, sich ein Etikett überzustülpen. Es bedeutet, Klarheit über die eigene Ausrichtung zu gewinnen. Wer weiß, in welchem Genre er oder sie wirklich zu Hause ist, schreibt fokussierter, glaubwürdiger und oft auch erfolgreicher. Bei BuchInsider wollen wir herauszufinden, welches Genre wirklich zu Ihnen passt – jenseits von Trends und Erwartungen.
Warum das Genre mehr ist als eine Marketingentscheidung
Das Genre wird häufig als reines Verkaufsinstrument betrachtet. Buchhandlungen, Online-Shops und Algorithmen brauchen Kategorien, um Bücher einzuordnen. Doch für Autorinnen und Autoren ist das Genre weit mehr als eine Schublade. Es prägt Erzählweise, Figurenentwicklung, Konflikte, Tempo und Tonalität.
Ein Genre legt unausgesprochene Regeln fest. Leser bringen Erwartungen mit, selbst wenn sie diese nicht bewusst formulieren. Ein Kriminalroman verspricht eine Auflösung, ein Liebesroman eine emotionale Entwicklung, Fantasy eine andere Welt mit eigenen Gesetzmäßigkeiten. Wer diese Erwartungen ignoriert, riskiert enttäuschte Leser – unabhängig von der Qualität des Textes.
Gleichzeitig darf das Genre nicht als Zwang empfunden werden. Es ist kein Korsett, sondern ein Rahmen. Innerhalb dieses Rahmens gibt es enorme Freiheit, eigene Schwerpunkte zu setzen und neue Akzente zu schaffen.
Warum viele Autoren das falsche Genre wählen
Ein häufiger Fehler besteht darin, das Genre nach äußeren Kriterien auszuwählen. Trends, Bestsellerlisten oder Marktanalysen wirken verlockend. Wenn ein bestimmtes Genre gerade besonders erfolgreich ist, entsteht schnell der Wunsch, genau dort mitzuschwimmen. Doch Schreiben ist ein langfristiger Prozess. Wer ein Genre wählt, das innerlich nicht trägt, verliert oft nach kurzer Zeit Motivation.
Ein weiterer Grund für Fehlentscheidungen ist Unsicherheit. Manche Autorinnen und Autoren trauen ihrem eigentlichen Interesse nicht. Sie halten es für „zu speziell“, „nicht gefragt“ oder „nicht ernsthaft genug“. Stattdessen wählen sie ein vermeintlich sichereres Genre und schreiben an sich selbst vorbei.
Das Ergebnis zeigt sich häufig im Text: Figuren bleiben blass, Konflikte wirken konstruiert, das Schreiben fühlt sich anstrengend an. Nicht, weil das Talent fehlt, sondern weil Thema und Autor nicht zueinander passen.
Der wichtigste Ausgangspunkt: Ihre innere Motivation
Bevor Sie sich mit Markt, Zielgruppen oder Verkaufszahlen beschäftigen, lohnt sich ein ehrlicher Blick nach innen. Denn das Genre, das wirklich zu Ihnen passt, lässt sich oft an Ihrer Motivation erkennen.
Fragen Sie sich, welche Geschichten Sie selbst gerne lesen, nicht gelegentlich, sondern immer wieder. Welche Themen beschäftigen Sie nachhaltig? Welche Bücher lassen Sie nicht los, auch Jahre nach dem Lesen? Oft liegt hier ein klarer Hinweis auf das eigene Genre.
Ebenso aufschlussreich ist die Frage, worüber Sie gerne sprechen oder nachdenken. Autorinnen und Autoren schreiben langfristig besser über Themen, die sie innerlich bewegen. Das bedeutet nicht, autobiografisch zu schreiben, sondern emotional verbunden zu sein.
Schreibgefühl als Kompass
Ein oft unterschätzter Faktor bei der Genrewahl ist das Schreibgefühl selbst. Achten Sie darauf, wie sich das Schreiben anfühlt, wenn Sie an verschiedenen Texten arbeiten. Manche Szenen fließen leicht, andere wirken zäh. Manche Themen laden zum Weiterdenken ein, andere erschöpfen schnell.
Dieses Gefühl ist kein Zufall. Es zeigt, ob Sie sich im richtigen thematischen Umfeld bewegen. Wenn Schreiben sich trotz aller Mühe lebendig anfühlt, sind Sie meist nah an Ihrem Genre. Wenn Sie sich ständig zwingen müssen, stimmt oft die Ausrichtung nicht.
Gerade am Anfang lohnt es sich, kurze Texte in unterschiedlichen Genres auszuprobieren. Nicht, um sie zu veröffentlichen, sondern um das eigene Schreibverhalten besser kennenzulernen.
Genre ist nicht gleich Genre: Die Bedeutung von Subgenres
Viele Autorinnen und Autoren scheitern nicht an der Genrefrage an sich, sondern an ihrer Unschärfe. „Fantasy“, „Krimi“ oder „Roman“ sind sehr breite Kategorien. Innerhalb dieser Genres existieren zahlreiche Subgenres, die sich stark voneinander unterscheiden.
Wer Fantasy schreibt, kann epische Welten erschaffen, urbane Settings nutzen oder romantische Elemente in den Vordergrund stellen. Kriminalromane reichen von klassischen Ermittlergeschichten bis zu psychologischen Thrillern. Oft liegt das passende Genre nicht in der Hauptkategorie, sondern in der spezifischen Ausprägung.
Die bewusste Auseinandersetzung mit Subgenres hilft, die eigene Position klarer zu definieren. Sie verhindert, dass das Buch zwischen mehreren Stühlen sitzt und erleichtert später auch die Ansprache der richtigen Leser.
Markt und Genre: Ein realistischer Blick
Auch wenn das eigene Interesse im Mittelpunkt stehen sollte, darf der Markt nicht vollständig ausgeblendet werden. Genre und Zielgruppe hängen eng zusammen. Ein Thema kann hervorragend zu Ihnen passen, aber kaum Leser finden – oder nur sehr wenige.
Das bedeutet nicht, dass Sie es aufgeben müssen. Es bedeutet, dass Sie sich bewusst entscheiden sollten. Schreiben Sie primär für sich selbst oder mit dem Ziel, gelesen zu werden? Beides ist legitim, aber es sind unterschiedliche Wege.
Ein realistischer Blick auf den Markt hilft dabei, Erwartungen zu justieren. Er zeigt, ob ein Genre stark umkämpft ist oder ob es Nischen gibt, in denen Sie sich positionieren können. Gerade Kombinationen aus Genre und spezifischem Thema bieten oft gute Chancen.
Warum Genre-Treue für Autoren wichtig ist
Viele Autorinnen und Autoren wechseln häufig das Genre. Oft aus Neugier, manchmal aus Frust. Kurzfristig kann das kreativ anregend sein, langfristig erschwert es jedoch den Aufbau einer Leserschaft. Leser orientieren sich stark an Genrezugehörigkeit. Wer ein Buch mochte, sucht oft nach ähnlichen.
Genre-Treue bedeutet nicht, sich ein Leben lang festzulegen. Es bedeutet, über mehrere Projekte hinweg eine erkennbare Linie zu verfolgen. Diese Kontinuität hilft nicht nur beim Marketing, sondern auch beim eigenen Schreiben. Mit jedem Buch wächst das Verständnis für die genretypischen Mittel und Erwartungen.
Wenn Sie zwischen mehreren Genres schwanken
Es ist völlig normal, sich zu mehreren Genres hingezogen zu fühlen. Viele Autorinnen und Autoren haben breit gefächerte Interessen. In diesem Fall lohnt es sich, genauer hinzusehen: Was verbindet diese Genres? Gibt es gemeinsame Themen, Stimmungen oder Motive?
Oft lässt sich ein Schwerpunkt erkennen, der sich durch verschiedene Genres zieht. Manche schreiben immer über Macht und Verantwortung, andere über Beziehungen oder Identität – unabhängig vom äußeren Rahmen. Dieser thematische Kern kann Ihnen helfen, eine Entscheidung zu treffen.
Manchmal ist auch ein Genre-Mix sinnvoll. Wichtig ist dann, einen klaren Hauptfokus zu setzen, damit Leser wissen, was sie erwartet.
Genre finden heißt auch, Grenzen zu akzeptieren
Ein Genre gibt Orientierung, aber es setzt auch Grenzen. Diese Grenzen sind nicht negativ. Sie helfen dabei, Entscheidungen zu treffen und Überflüssiges wegzulassen. Wer alles erzählen will, erzählt oft nichts klar.
Gerade für Autorinnen und Autoren ist diese Begrenzung hilfreich. Sie schafft Fokus und erleichtert die Arbeit an Plot, Figuren und Sprache. Innerhalb klarer Grenzen entsteht oft mehr Kreativität als im völligen Freiraum.
Fazit: Das richtige Genre stärkt Text und Autor
Das passende Genre zu finden ist kein einmaliger Akt, sondern ein Prozess. Er erfordert Selbstbeobachtung, Ehrlichkeit und manchmal auch Geduld. Doch dieser Prozess lohnt sich. Denn wer im richtigen Genre schreibt, arbeitet mit sich selbst – nicht gegen sich.
Ein Genre, das wirklich zu Ihnen passt, trägt Ihre Motivation, schärft Ihre Stimme und erleichtert den Kontakt zu Lesern. Es gibt Ihnen Orientierung, ohne Sie einzuengen. Und es bildet die Grundlage für nachhaltiges Schreiben und langfristigen Erfolg.
Wenn Sie unsicher sind, nehmen Sie sich Zeit. Schreiben Sie, probieren Sie aus, lesen Sie bewusst. Das richtige Genre zeigt sich oft dort, wo Schreiben nicht nur Arbeit ist, sondern Sinn ergibt.
FAQ: Häufige Fragen zur Genre-Wahl
Wie finde ich heraus, welches Genre wirklich zu mir passt?
Das passende Genre zeigt sich oft dort, wo Schreiben langfristig leichtfällt und thematisch trägt. Achten Sie darauf, welche Geschichten Sie selbst gerne lesen und über welche Themen Sie immer wieder schreiben. Auch das eigene Schreibgefühl ist ein wichtiger Hinweis.
Sollte ich mein Genre nach Markttrends auswählen?
Markttrends können Orientierung bieten, sollten aber nicht die alleinige Entscheidungsgrundlage sein. Wer nur trendgetrieben schreibt, verliert häufig schnell Motivation. Besser ist es, ein Genre zu wählen, das zu Ihnen passt und sich sinnvoll positionieren lässt.
Ist es problematisch, mehrere Genres zu mögen?
Nein, das ist völlig normal. Entscheidend ist, welches Genre Sie langfristig schreiben möchten und wo Ihre thematischen Schwerpunkte liegen. Oft hilft es, sich zunächst auf ein Hauptgenre zu konzentrieren.
Kann ich das Genre wechseln, wenn ich bereits ein Buch veröffentlicht habe?
Ein Genrewechsel ist möglich, sollte aber bewusst erfolgen. Leser bauen Erwartungen auf, und ein plötzlicher Wechsel kann irritieren. Viele Autorinnen und Autoren lösen das, indem sie neue Projekte klar kommunizieren oder unter einem anderen Namen veröffentlichen.
Wie wichtig sind Subgenres bei der Genre-Entscheidung?
Subgenres sind sehr wichtig, weil sie die Erwartungen der Leser genauer definieren. Sie helfen dabei, das eigene Buch klar zu positionieren und gezielt die richtige Zielgruppe anzusprechen. Oft liegt das passende Genre erst im Subgenre.
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